Vorläufer des musikalischen
Vereinswesens in Anif waren die Kirchenmusiker, die sich bei kirchlichen
und weltlichen Veranstaltungen als Streichmusiker betätigten.
Anifer Bauern und Burschen, die in der Grödiger Ortskapelle
tätig waren, setzten sich im Jahr 1878 zum Ziel, eine eigene
Musikkapelle zu gründen. Es waren dies Hans Rautenbacher (Gaberhellbauer),
Franz und Johann Lackner (Hauslbauernsöhne), Hans Diesenbacher
(Tiergartnerbauer im Dorf), Franz und Josef Eibl (Madlbauernsöhne),
Alois Mayr (Kaiserbauernsohn) und Josef Eder.Der frühere Militärmusiker
Hans Rautenbacher wurde Kapellmeister und leitete die Kapelle, die
sich rasch großer Beliebtheit erfreute, bis 1894. Er war ein
überaus musikbegabter Mensch. Er komponierte selbst und war
mit der Musik so verbunden, dass er - zum Ärger seiner Angehörigen
- oftmals während der Feldarbeit nach Hause lief, um eine Melodie,
die ihm im Ohr klang, zu Papier zu bringen.
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Echte Verbitterung schuf im Jahr 1945 die Beschlagnahme der
Musikinstrumente durch die Besatzungsmacht. Die Soldaten lernten
einen einzigen Marsch damit ein und bliesen diesen jedes Mal auf
dem Weg von der alten Post bis zur Thingstätte beim Kaiserbauern,
wo die tägliche Fahnenhissung und -einholung stattfand. Die
zumeist erst aus dem Krieg heimgekehrten Anifer Musiker hatten wenig
Verständnis dafür, auch die Ortsbewohner hatten keine
große Freude mit der etwas fremdartigen Darbietung.
Dann aber wurden die Instrumente doch wieder
ordnungsgemäß zurückgegeben. Mit großem Eifer
setzte der Wiederaufbau der Anifer Musikkapelle ein. Die Tatkraft
jedes einzelnen Musikers, insbesondere aber auch die große
Unterstützung durch die Bevölkerung machten 1958 eine
Neueinkleidung der Kapelle möglich. Schon kurz danach erreichten
die Anifer Musiker mit dieser an das Flachgauer Bauernfestkleid
angelehnten Tracht (Rock aus grünem Tuch mit Samtkragen, rotes
Leiberl, blaues Seidenmascherl, schwarze Lederhose, naturweiße
Wollstutzen, schwarze Trachtenschuhe, Hut mit Goldschnur und Quasten)
in Meran vor vielen Bewerbern aus Nord- und Südtirol, Kärnten
und anderen Ländern den ersten Trachtenpreis.
Neben der Umrahmung örtlicher Veranstaltungen
spielte die Trachtenmusikkapelle Anif bei den verschiedensten Veranstaltungen
in der Landeshauptstadt Salzburg auf, so bei Kongress-empfängen,
Fernsehsendungen und im Landestheater bei der Operette "Zum
Weißen Rößl". Unvergesslich bleiben verschiedene
Reisen, 1963 nach Jugoslawien und 1965 nach Reims, eine musikalische
Fahrt von wahrhaft völkerverbindendem Gehalt. Eine sehr ehrenvolle
Aufgabe für die Musikkapelle Anif war im Jahr 1960 die musikalische
Umrahmung der Übergabe des ersten von einem Bundesland der
Stadt Wien geschenkten Weihnachtsbaumes. Auch München war -
neben einigen anderen Abstechern in die bayrische Nachbarschaft
- immer wieder Ziel für musikalische Darbietungen. 1977 führte
die Ausstellung "Salzburg zu Gast in Hamburg" in die Hansestadt.
Ein großes Erlebnis für die Anifer Musikanten waren auch
der Empfang und die Verabschiedung des amerikanischen Präsidenten
Nixon am Flughafen in Salzburg.
Im Jahr 1979 übernahm der aus Roitham
in Oberösterreich stammende junge, vielseitige Musikprofessor
Mag. Johann Kastenhuber den Taktstock, die organisatorische Leitung
war seit 1978 in den Händen von Obmann Siegfried Siller, der
sich schon seit 15 Jahren als Kassier um die finanziellen Belange
gekümmert hatte. Beachtliche Leistungssteigerungen innerhalb
kürzester Zeit, viel junger, talentierter Nachwuchs, darunter
nun auch immer wieder Mädchen, sehr gute und ausgezeichnete
Noten bei Konzert- und Marschbewertungen lassen die hervorragende
Arbeit des jungen Kapellmeisters erkennen. Ein wichtiges Jahr war
1984: Endlich konnte die Kapelle im neu errichteten Feuerwehrhaus
durch die großartige Unterstützung der Gemeinde in einen
zeitgemäßen Probenraum einziehen. 1988 feierte die Musikkapelle
im Rahmen des Festes "1200 Jahre Pfarren Anif und Niederalm"
ihr 110-jähriges Bestandsjubiläum.
Nachdem Siegfried Siller im Jahr 1991 nach
13-jähriger Tätigkeit nicht mehr kandidiert hatte, wurde
Walter Praschberger, seit 1986 Vizekapellmeister, zum Obmann der
Trachtenmusikkapelle Anif gewählt. Siegfried Siller wurde zum
Ehrenobmann ernannt. Im Auftrag des Salzburger Blasmusikverbandes
vertraten 1994 die Trachtenmusikkapellen Großgmain, Grödig
und Anif das Land Salzburg beim Österreichischen Blasmusikfest
in Wien. Auch bei verschiedenen feierlichen Anlässen in der
Partnergemeinde Eppan in Südtirol war die Anifer Musikkapelle
immer wieder eingeladen. Zu einem unvergesslichen Erlebnis für
Jung und Alt wurde im Jahr 1997 die Fahrt mit einem Sonderzug zu
den Rasteder Musiktagen in Norddeutschland, wo die Kapelle unter
großer internationaler Konkurrenz mit bestem Erfolg an Konzert-
und Marschwertungen teilnahm. Der Kapellmeister erreichte dort bei
der Dirigentenbewertung den ersten Platz.
Ende 1997 legte Mag. Johann Kastenhuber
nach 18 Jahren die musikalische Leitung zurück und wurde in
Anerkennung seiner besonderen Leistungen zum Ehrenkapellmeister
ernannt. Als Kapellmeister folgte nun der junge Musiklehrer Karl
Weiss aus Altenmarkt im Pongau. Auch unter seiner Führung setzten
sich die musikalischen Erfolge fort. 1999 brachten die Teilnahmen
an einer Konzertwertung unter der Leitung von Kapellmeister Karl
Weiss und an Marschmusikbewertungen unter der Stabführung von
Walter Praschberger wieder ausgezeichnete Erfolge. Im September 2004 hat Paul Hagenauer die organisatorische Leitung der Kapelle übernommen, seit Jänner 2005 ist Rudolf Egner Kapellmeister.
Derzeit musizieren in der Trachtenmusikkapelle
Anif 55 Mädchen, Burschen, Frauen und Männer, unterstützt
durch zwei fleißige Marketenderinnen. Jährlich fallen
etwa 50 Ausrückungen an, wofür ca. 55 Proben notwendig
sind, was bedeutet, dass die Mitglieder im Durchschnitt jeden dritten
Tag im Dienst der örtlichen Gemeinschaft unterwegs sind. Bei
vielen Musikern kommt dann noch eine größere Zahl an
Proben und Ausrückungen mit kleineren Gruppen dazu. Eine Besonderheit
ist, dass die Anifer Musiker bei Feuerwehrfeierlichkeiten im Ort
und darüber hinaus auch in Feuerwehruniform auftreten. Als
ihre wichtigste Aufgabe sieht die Kapelle die musikalische Umrahmung
kirchlicher und weltlicher Feste im Ort. Den Höhepunkt in jedem
Jahr bildet das Frühjahrskonzert, bei dem der Kapellmeister
die Musiker immer wieder zu Höchstleistungen motiviert. Ihr
volles Organisationstalent entwickeln die Mitglieder der Kapelle
jährlich im August bei der Ausrichtung des traditionellen Anifer
Kirtages. |